Die Würde bewahren, ein Lebensstil.

Katja erzählt – Die Würde bewahren, ein Lebensstil

Lesezeit ca. 5 – 7 Minuten

Als Kind und Jugendliche.

Früher als Kind und Jugendliche hatte ich keine Worte für das was ich beobachtete. Ich wollte es nur einfach nicht mehr sehen. Es rüttelte so sehr an mir  und ich dachte, dass ich mich so nie in der Öffentlichkeit oder vor nahestehenden Menschen zeigen wollte. Ich wollte nicht derartig die Kontrolle über mich selbst verlieren und mir selbst die Würde rauben.

Hier möchte ich einfügen, dass dieses Erleben nicht etwa nur den Reflex wegzuschauen erzeugte, sondern auch das Bedürfnis zu helfen und Veränderung herbei zu führen. Das sogar mein ganzes Leben lang.

Wenn ein Rausch dir die Würde raubt.

Mit diesem Raub der Würde, für den du selbst verantwortlich sein kannst, meine ich unter anderem den übermäßige Alkohol- oder auch Drogenkonsum, dass die Menschen ein Bild des Jammers abgeben, weil sie ihren Köper und auch ihre Worte nicht mehr im Griff haben. Aber nicht nur der Konsum von Rauschmitteln, die den Menschen die Kontrolle rauben machte mich sprach und fassungslos, sondern auch als sich Personen ihrer unbändigen Wut hingaben und somit in eine Art Rausch kamen.

Da passierte genau das gleiche. Sie verloren die Kontrolle über sich selbst und boten dem Umfeld ein schlimmes Bild.

Meine Meinung dazu ist, in den Momenten in denen wir unsere Eigenverantwortung für unser Handeln abgeben, berauben wir uns selbst unserer Würde.

Das sind harte Worte für jemanden der gerne Umstände oder Mitmenschen für sein Handeln und Sein verantwortlich macht.

Arbeit an dir selbst schafft dir ein würdevolles Leben.

Für mich hat die Arbeit an sich selbst sehr viel mit dem Erhalt der Würde des Menschen zu tun. Wenn uns Verletzung, Hohn oder Wut treffen spüren wir vielleicht etwas, was nicht zu benennen ist, eine gewisse Entrüstung.

Da könnte man schnell zu der Einstellung gelangen der andere ist der Böse. Doch mit der Haltung, dich um deine Würde zu kümmern, kommst du viel weiter und entwickle dich zu einem mündigen Menschen.

Das Leben umgekrempelt.

Seit ich mein Leben nochmal so richtig in eine neue Richtung lenke, beschäftige ich mich sehr damit, meine Zukunft nach den Vorstellungen zu gestalten die es mir ermöglichen meine Würde zu bewahren, bzw. zu Beginn musste ich sogar meine Würde wiederfinden.

Dazu gehört auch Menschen die Möglichkeit zu geben mit mir zu sprechen, falls ich mich in ihren Augen danebenbenommen habe. Nicht so zu tun als sei nichts geschehen, sondern mich dem gemeinsamen Prozess des Aufarbeitens zu stellen.  Falls ich Menschen verletzt habe ohne es gemerkt zu haben möchte ich auch da, durch offene Gespräche der Klärung, die Chance zur Heilung von Beziehungen geben, die auch immer etwas mit der menschlichen Würde zutun haben.

Zu meinen Fehlern stehen.

Würde bedeutet für mich zu meinen Fehlern zu stehen und dem Anderen ebenfalls ein würdevolles Leben zu ermöglichen oder besser noch ein gemeinsames würdevolles Miteinander zu entwickeln.

Der Philosoph Peter Bieri, schreibt in seinem Buch „Eine Art zu Leben – Über die Vielfalt menschlicher Würde“ immer wieder über die Ohnmacht. Das die Ohnmacht uns die Würde rauben kann. Ohnmacht zu erleben, dem freien Willen nicht nachkommen zu können ist ein starkes und unangenehmes Gefühl.

Ich muss mir in diesen Situationen überlegen, ob ich mich dieser Ohnmacht weiter ausliefere oder ob ich mir andere Wege suche an mein Ziel zu kommen.

Was bedeutet für dich Würde?

Die Würde ein sehr weites Feld.

Mir ist bewusst, dass dieses Thema in Würde zu leben ein weites Feld ist, ich spreche hier nur Weniges an. Es sind meine eigenen Gedanken, die ich mir zu dieser Art zu leben mache. Ich habe nicht so ausgiebig recherchiert, dass ich mir ein Gesamturteil erlauben kann.

Es gibt sicher Situationen, denen man sich nicht entziehen kann, wo wenn überhaupt, nur noch der Rückzug in sich selbst helfen kann die Würde zu bewahren. Damit meine ich unter anderem solche extremen Handlungen wie Folter oder Raub der Freiheit durch einsperren, zum Beispiel.

Ganz auf mich gestellt.

Mir wurde deutlich bewusst, als ich ganz auf mich allein gestellt, in dieses neue Leben startete, dass ich nur mich selbst hatte, also mein Handeln und Sein.

Denn sonst hatte ich mit über vierzig durch meine lange Mitgliedschaft in der Freikirche und der Tätigkeit als Hausfrau und Mutter im ganz klassischen Sinn, nicht viel zu bieten. Beruflich hatte ich mich nicht entwickelt und gesellschaftlich war ich einer Parallelwelt entsprungen.

Mein Verhalten würde meinen weiteren Weg bestimmen. Mein Leben ganz neu zu gestalten lag in meiner Hand. Nicht jammernd und auf die Umstände schimpfend, sondern im Kampf um die Würde machte ich mich auf meinen Weg.

Die Ohnmacht und der Verlust der Würde.

Ohnmacht, die mir das Gefühl gab, meine Würde mache sich auf leisen Sohlen davon, hatte ich auf meiner Suche nach Arbeit erlebt. Wer auch schon vor einem Mitarbeiter des Arbeitsamtes gesessen hat, weiß wovon ich spreche. Du kennst dich selbst gut, weißt ungefähr wo du hinmöchtest und obwohl ich sowieso schon in einer schwierigen Situation war, nahm ich all meinen Mut zusammen dies zu äußern. Doch leider wird eine Schablone angelegt und es gab zumindest für mich auf diese Art keine Möglichkeit eine Arbeit zu finden die mir Wege gezeigt hätte, die für mich zu gehen möglich gewesen wären.

Selbst nach dem Ausweg suchen.

Mein Ausweg aus diesem Dilemma war mich selbst um Arbeitsstellen zu kümmern, die ich dann auch gefunden habe. Auch wenn sie nicht dem entsprachen, was ich gerne tun wollte, so war ich es wenigstens die sie ausgesucht hatte. Wobei mir dort etwas begegnete wo ich wieder um meine Würde fürchten musste.

Ich bewarb mich um einen Job, der nur zum Halbtagsjob wurde, weil die Firma nur Teilzeitkräfte einstellte und bei einem damaligen Stundenlohn von 8,50€ kamen 510€ für den Lebensunterhalt heraus. Das ist deutlich zu wenig Geld um davon zu leben. Als ich die Antwort auf meinen Einwand hörte, dass ich auf einen Vollzeitjob angewiesen sei, traute ich meinen Ohren kaum. Denn der Vorschlag des Personalverantwortlichen war, mich doch vom Staat unterstützen zu lassen.

Ja, da hat sich bei mir auch eine Ohnmacht breit gemacht. Mir blieb vorerst nichts anderes übrig als zum Amt zu gehen und meine Situation vorzutragen. Natürlich wurde mir die Unterstützung gewährt. Dazu gehörte aber auch, jeden Monat die Lohnabrechnungen vorlegen und vor allem mit den Kontoauszügen vorstellig werden um diese durch den Kopierer jagen zu lassen.

Hier wurde das Bedürfnis meine Würde zu retten sehr stark. Nach einiger Zeit hatte ich einen zweiten Job, obwohl ich das Hartz IV Niveau mit den beiden Verdiensten nicht erreichte, stellte ich keinen Antrag mehr. Zu sehr ging es mir an meine Würde meine Kontoauszüge zum Kopieren zum Amt zu bringen.

Die zweite Arbeitsstelle wurde zu einer Ganztagsanstellung, leider auch mit einem geringen Gehalt, so dass es nach wie vor schwierig war den Lebensunterhalt davon zu bestreiten. Auch hier hörte ich in einer Verhandlung um das Gehalt, dass ich doch zum Staat gehen solle um mir dort die Unterstützung zu holen.

Das Verhalten meiner Arbeitgeber irritierte mich sehr.

Bei mir hat dieses Verhalten meiner Arbeitgeber nicht nur eine starke Entrüstung ausgelöst, sondern auch die Frage aufgeworfen ob die Leistung Hartz IV, welche dem Menschen in Notlagen eigentlich ein würdevolles Leben ermöglichen soll, nicht genau das Gegenteil bewirkt.

Ich kenne die Prozentzahlen der Hartz IV Empfänger nicht, würde aber nach meiner eigenen Erfahrung mutmaßen, dass es weniger Menschen in diesen Notlagen geben würde, wäre unser Sozialsystem mehr auf die Verantwortung der Firmen sowie der Arbeitnehmer aufgebaut. Mit Sicherheit ist es so gedacht, dass jeder eigenverantwortlich handelt. Das sollte schon ein Produkt des gesunden Menschenverstandes sein. Doch leider funktioniert es scheinbar nicht wirklich, es hat eine ungute Entwicklung stattgefunden die ich zu spüren bekam.

Denke über die Würde nach.

Ich kann dir nur empfehlen intensiv darüber nachzudenken was für dich Würde bedeutet. Dann ist es möglich, dass du dich so entwickelst, dass du dich Situationen stellst, denen du sonst aus dem Weg gegangen wärst. So meine Diagnose.

Du meinst, du bist zu schwach für gewisse Dinge, versuchst Herausforderungen zu umgehen oder dich zu betäuben.

All das kratzt an deiner Würde!

Noch ein paar Gedanken.

Dazu diese Gedanken: Immer wieder fasziniert mich was der Mensch lernen kann. Ich schaue leidenschaftlich gerne hin, wenn Personen etwas bis zu Perfektion eingeübt haben. Da ist fast egal in welcher Disziplien, wenn es nur eine gewisse Ästhetik hat. Ob Tanz, Sport, Kunst, Gesang, Schach, Gedächtnissport oder was auch immer.

All das zeigt mir zu welchen Leistungen der Mensch fähig ist, wie viel er lernen kann. Wir haben einen wunderbaren Köper, der gesteuert durch einen starken Geist auch dann zu Höchstleistungen fähig ist, wenn er vermeintlich eine Behinderung hat.

Wie ein Leben eines Menschen verläuft, der nicht in die Norm passt, weil er irgendwie anders ist, liegt meistens, natürlich nicht immer, daran wie der Mensch über sich und das Leben denkt. Welche Ziele und Vorstellungen er hat.

Haltung einnehmen.

Diese Einstellung und Haltung zu bekommen ist sicher kein einfacher Weg und hat auch ein bisschen mit den Begegnungen und Chancen, die du im Leben hast zutun. Aber auch damit, wie offen du durch die Welt gehst. Wie interessiert du dem Leben und deine Mitmenschen begegnest. Wohin du schaust, ob du etwas lernen kannst.  Sehr viel hängt meiner Meinung nach mit dem reifer werden zusammen.

Leider leben wir als junge Menschen, wenn es uns nicht anders beigebracht wird oft aus dem Impuls heraus und probieren uns aus. Da steht die Würde auf wackligen Beinen. Ich spreche da auch aus meinem eigenen Leben und bin mir ganz sicher, dass es bei den aller meisten Menschen genauso ist. Da gibt es doch einige Erfahrungen, auf die ich auch gut hätte verzichten können.

Das jedoch liegt in der weiten Vergangenheit und hat mit meinem heutigen Leben nicht mehr viel zu tun.

Mir ist wichtig mittzuteilen, dass die Gedanken, die du oben gelesen hast, weitgehend aus meinen eigenen Empfindungen entstanden sind. Ich glaube, dass wir als Menschen alle ein Gefühl für Würde haben es nur nicht immer benennen können. Peter Bieri hat dies sehr tief durchdacht und wirklich gut lesbar und nachvollziehbar zu Papier gebracht.

Ich wünsche dir von Herzen ein würdevolles Leben.

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