Arbeiten auf dem Bauernhof in Süd Tirol

Lesezeit 5 – 6 Minuten

Urlaub der eigentlich keiner ist.

Ein Einsatz bei der Bergbauernhilfe Italien. Dieser Verein hat eine Website, über die du dich umfangreich informieren kannst. Dort findest du auch die Kontaktmöglichkeiten zum Verein.

Kurzentschlossen habe ich 2017 in Süd Tirol angerufen, um mich zu informieren und schon wenige Monate später fand mein erster Einsatz auf einem Bergbauernhof statt. Diesen habe ich noch heute als sehr intensives und eindrückliches Erlebnis in meiner Erinnerung. Deshalb wurde ich zur Wiederholungstäterin.

Eintauchen in eine vollkommen andere Welt!

Erst gestern bin ich nun wieder von solch einem Einsatz zurückgekommen.

Menschen, Land, Natur und Tiere alles zusammen ergibt für mich eine ganz andere Welt. Eine Welt, in die es sich unbedingt lohnt einmal einzutauchen. Wenn es auch körperlich sehr anstrengend ist, ich werde es wieder tun, sobald ich mir Zeit „erkaufen“ kann.

Heute sitze ich hier und lasse nachklingen was ich alles erlebt habe.

Der erste Eindruck von den freundlichen Menschen war so angenehm und offen, dass ich mich schon von der ersten Minute auf die Tage gefreut habe, die ich am Hof verbringen sollte.

Untergebracht war ich in einem alten und noch bewohnten Bauernhaus, welches früher einmal ein Gästehaus gewesen sei, das erfuhr ich bei den, trotz der vielen Arbeit, offenen Gespräche am Küchentisch der lieben Bäuerin.

Ein Raum wie eine Filmkulisse

Mein Zimmer hätte auch als Filmkulisse dienen können

….und tatsächlich war vor einigen Monaten ein Filmteam dort und hat einen Heimatfilm gedreht. Ich war begeistert, dass es so etwas noch gibt. Wohnräume die nicht neu und kahl daherkommen. Das kann man nur authentisch nennen. Die Treppe zum zweiten Stock war steil und etwas schlecht beleuchtet. Ich musste mich auf den Weg zu meinem Zimmer immer sehr konzentrieren. Zum Ende hin einer solche Zeit ist auch so ein Weg selbstverständlich und vertraut.

Der Arbeitstag beginnt früh und endet spät

Mein Morgen begann gegen sechs Uhr, da „klingelte“ mein Handywecker, welches ich tatsächlich in den seltsamen Steckdosen, die es früher in Italien gab, aufladen konnte. In den ersten Tagen ist es mir noch leichtgefallen, um diese Uhrzeit aufzustehen. Schnell eine kurze Wäsche und in Kleidung geschlüpft, die die Spritzer von Kuhdung gut vertragen kann. Zur Bank vor dem Bauernhaus, geschwind in die Gummistiefel steigen und ab in den Stall. Dortin, wo schon etwas länger die Männer der Familie auf den Beinen sind, um die vielen Kühe, Jungvieh und Kälber zu versorgen. Jeder arbeitet still vor sich hin. Es ist kaum zu glauben, was Milchkühe verzehren und wieviel zur gleichen Zeit hinten wieder rauskommt.

Am letzten Tag habe ich mich einfach mal in den Stall gestellt und versucht mich einzufühlen. Ja, das geht. Mehr als dreißig Milchkühe und Kälber, konnte ich fühlen. So viele Tiere, besonders dann, wenn alle genüsslich das Heu zermalmen. Ein besonderes und lebendiges Gefühl.

Das Leben der Bauern ist sehr geprägt von immer wieder kehrenden anstrengenden Aufgaben und doch passiert ständig etwas Neues.

Neugeborenes
Das Kälbchen ist wenige Minuten alt

Ich durfte z.B. bei der Geburt eines Kälbchens zusehen. Das war ein eindrückliches Erlebnis. Stark hat mich die Leichtigkeit beeindruckt, mit der die Mutterkuh ihr Kleines zur Welt brachte. Nach der Geburt schleckt die Kuh das Neugeborene lange Minuten ausgiebig und liebevoll ab. Der Bauer merkte allerdings an, dass nicht alle Kühe ihre Kälber so leicht zur Welt bringen.

Hinten Kuhdung entfernen und vorne ganz viel Futter rein.

Gutes Futter: Heu, Silage, Kraftfutter und noch mehr. Den Kühen geht es gut.

Morgens, mittags und abends wird gefüttert

Ach ja, die Rindviecher sind auch nicht nur im Stall. Bereits am ersten Tag wurde eine werdende Mutterkuh auf die Alm, die auf ca. 2000 Meter Höhe liegt, gebracht. Ich durfte den Bauern begleiten. Zunächst sind wir mit dem Traktor und dem Viehtransporter eine gute Stunde über unwegsame Sträßchen unterwegs gewesen und dann ging es sehr langsam nochmals ca. 400 bis 500 Höhenmeter den Berg hinauf. Das Tempo hat die werdende Mama bestimmt. Naja, ein bisschen habe ich nachgeholfen. Dazu war ich nämlich zur Unterstützung dabei. Der Bauer hatte das Tier am Seil und ich habe ab und zu von hinten sozusagen geschoben. Das Ganze hat bestimmt auch nochmal fast eineinhalb Stunden gedauert. Dafür gab es oben auf der Alm eine wunderschöne Landschaft, Murmeltiere und einen netten Wetter gegerbten Kuhhirten. Der, so wie mir berichtet wurde sehr genau auf das Vieh schaut und immer weiß wo sie sind und ob sie gut fressen.

So war ihm z.B. aufgefallen, dass eine Kuh meines Bauers von einem Tag auf den anderen nicht mehr gefressen hat. Die ganze Bauersfamilie ist auf den Anruf des Hirten hin zur Alm gewandert und hat geschaut was die Kuh hat.

Der Grund für die unfreiwillige Fastenkur war der Rand eines Joghurtbechers, in dem die Zunge des Tiers steckte. Durch einen beherzten Griff in das Maul der Kuh konnte der Hirte den Fremdkörper entfernen und das Tier von da an wieder das besonders gute Gras auf der Alm fressen.

Heuernte
Arbeiten auf sehr steilen Hängen

Wenn ich vorgestellt wurde, war ich die Erntehelferin.

Deshalb war ich ja auch gekommen, ich wollte bei der Heuernte helfen. Hätte ich mal gewusst, auf was ich mich da einlassen. In einer Höhe von ca. 1500 Meter sind die Bergwiesen gelegen, die zum Teil so steil sind, dass ich nachdem ich etwas Halt und Gleichgewicht verloren hatte auf meinem Hinterteil bis zum Weg runtergerutscht bin. Das praktische daran war, dass ich das Heu, welches sonst mit dem Rechen nach unten geschoben wurde, gleich mitgenommen habe.

Insgesamt sind wir und nun muss ich schätzen, da ich in der letzen Woche ein wenig Zeit und Raum vergessen habe, vier Tage oben gewesen. Immer wieder wurde der Rechen geschwungen. Ich die, normalerweise kein Problem mit dem Rücken hatte musste immer mal wieder seltsame Verrenkungen machen, damit sich die Muskulatur entspannt. Das stehen an den steilen Hängen geht auf den ganzen Körper. Wenn ich weiter oben geschrieben habe, dass mir das frühe Aufstehen nicht schwergefallen war, so hat sich das am zweiten dritten Morgen sehr verändert. Ich spürte jeden einzelnen Muskel meines Körpers uns hätte was darum gegeben im Bett liegen zu bleiben. Doch das kam für mich nicht infrage. Ich war zum Helfen da, also hieß es aufstehen und in den Stall. Danach ein gutes Frühstück und am Vormittag wieder nach oben auf die Bergwiesen. So wie es alle anderen auch machten.

Selten sind mir die Tage so schnell vergangen wie in dieser Woche auf dem Bergbauernhof.

Mir hat die Gemeinschaft sehr gefallen. Die ganze Familie war fröhlich und nett. Ich wurde voll einbezogen. Kaum einmal habe ich mich so wohl gefühlt.

Dementsprechend traurig wurde ich bereits am vorletzten Tag meines Einsatzes.

Eine sehr schöne, wenn auch sehr arbeitsreiche Zeit neigte sich dem Ende zu.

Am letzten Tag der Woche habe ich noch das kleine Städtchen Glurns besucht, welches mir als besonders sehenswert empfohlen wurde. Ich war ehrlich gesagt ein wenig endtäuscht, da die Stadt übersäht war von Touristen, Radfahrern in bunten Trikots und Motoradfahrern die beherzt an den Gasgriffen drehten.

Trotzdem habe ich ein paar schöne Impressionen mitgenommen.

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin mir sicher, dass ich wieder mal einen Einsatz machen werde. Nicht zu vergleichen mit einem Urlaub aber von unschätzbarem Erfahrungswert und neuen liebenswerten Menschen.

Mit begeisterten Grüßen

2 Kommentare zu “Arbeiten auf dem Bauernhof in Süd Tirol

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