Sie haben keine Depression. Sie haben ein beschissenes Leben.

Neulich sprach ich mit einer Frau über die Diagnose Depressionen, die sie einmal vor einigen Jahren bekommen hatte.

Wir saßen auf einer Bank hoch über einer Stadt mit einem wunderbaren Ausblick. Die Frühjahrssonne brannte uns in das Gesicht.

Gespräche

Wohltuende Strahlen und wohltuende Gespräche, wie sie mir später mit einem entspannten Gesichtsausdruck mitteilte.
Was denken Sie über Depressionen? Fragte sie. Sie hatte sie immer wieder in ihren Krankenakten erwähnt gesehen. Heute saß sie fit und mit einer Ausstrahlung der Stärke neben mir. Ich stelle schnell fest, dass diese Frage einen Grund hatte. Sie wollte nicht meine Definition über Depressionen hören, sondern ihre eigene Deutung mitteilen.

Also stellte ich ihr Fragen.

Sie hatte sehr viel für sich herausgefunden. Ihre eigene Haltung entwickelt. Diese ließ sie nun stark und voller Vertrauen in sich selbst auf dieser Bank neben mir sitzen.

 

Das kurze Interview:

Depression oder beschissenes Leben

Katja:
Frau S., sie hatten mehrmals die Diagnose Depressionen. Wenn sie nun rückblickend auf die Jahre Resümee ziehen. Wie würden sie es beschreiben?

Frau S.:
Durch die Diagnose Depression fühlte ich mich zunächst erleichtert und wahrgenommen in meiner Not. Heute mit Abstand sehe ich das differenzierter. Um zu dieser Sichtweise zu gelangen, war eine Begegnung mit einem Allgemeinmediziner ein sehr hilfreicher Impuls. Nachdem ich einiges über mich und meine damalige Lebenssituation erzählt hatte. Der Arzt sagte zu mir: Ich glaube, sie haben keine Depression. Sie sind traurig!
Ich empfinde es noch heute als Glück, dass ich ihm begegnete, war ich doch nur ausnahmsweise seine Patientin.

Katja:
Was hat diese Aussage des Arztes bei Ihnen bewirkt?

Frau S.:
Ich hörte damals genau hin, was er sagte und begann in mir zu forschen. Ja, und wie traurig ich war. Hatte ich so vieles ausprobiert, um die Dinge in den Griff zu bekommen. Es war mir nicht gelungen. Ich konnte so vieles nicht einordnen. Ich saß vor einem schrecklich großen Scherbenhaufen.

Katja:
Was hat ihnen in der Zeit der Traurigkeit am meisten geholfen?

Frau S.:
Gespräche mit Menschen, die mir Verständnis entgegenbrachten. Die aushalten konnten, wie es mir ging. Die nicht mit Druck versuchten, meine Situation zu verbessern. Es waren Menschen, die wussten, es wird besser und dies ausstrahlten. Leute, die mir gegenüber offen waren und dann einmal von sich erzählten. Oft waren es fremde Personen auf einer Zugfahrt oder einer Bank beim Wandern. Nahbare Menschen.

Katja:
Wieso war das gut, wenn die Personen von sich gesprochen haben?

Frau S.:
Weil ich dann sehen konnte, dass auch andere Leute Schlimmes erlebt hatten und damit leben gelernt hatten. Besonders tief ging es mir rein, wenn ich sie lachen sehen konnte trotz schwerer Schicksalsschläge.

Katja:
Sie haben anfangs gesagt, dass sie das heute anders sehen, die Diagnose Depression bekommen zu haben. Können sie das beschreiben?

Frau S.:
Irgendwann hatte ich die Diagnose als Stempel empfunden. Ich schien verdonnert zum Kranksein. Es wirkte auf mich, als wolle man nicht zulassen, dass ich mich selbst auf den Weg machte.

Das Bemühen war bestimmt gut gemeint. Wäre ich den Empfehlungen damals gefolgt, säße ich heute nicht auf dieser Bank!

Ich kann mir zwar vorstellen, dass es eine Jonglage für die Ärzte und Ämter ist, zu beurteilen, wie es jemanden geht. Ich habe irgendwie Verständnis und es doch nicht als den richtigen Weg für mich empfunden.

Irgendwie wusste ich, was gut für mich war.

Deshalb möchte ich am liebsten an jeden Menschen mit solchen Problemen appellieren, in sich hineinzuhören. Herauszufinden, was er wirklich möchte und wieso er so fühlt.

Ich habe mich auch damit beschäftigt, was passieren könnte, wenn ich mich diesem Regelwerk der Ärzte, Therapeuten und Ämter hingebe. Ich hatte das Gefühl, in eine Abwärtsspirale von Nichtstun und Einsamkeit zu rutschen.

In so eine Art Abhängigkeit zu geraten. Das wollte ich nicht.

Ich wollte nicht als arbeitsunfähig krankgeschrieben auf meinem Sofa verbringen. Ich wollte unter Menschen.

Ich dachte über das Gefühl der Ohnmacht nach. Wofür es gut war. Was ich daraus machen könnte. Ich wollte es umwandeln. Ich wollte wieder Zuversicht wahrnehmen. Erst war es nur der Wunsch und immer wieder dieser Wunsch.
Katja:
Wie geht es ihnen heute?
Frau S.:
Es hat schon eine Weile gedauert, doch bin ich inzwischen da angekommen, von dem ich am Anfang nur ahnen konnte, dass es das gibt. Ich habe das meiste akzeptiert und kann einsortieren, was mir passiert ist. Ich kann jetzt nicht alles erzählen. Es gab eine ganze Menge zu verdauen. Doch es hat funktioniert. Ich vertraue nun meist in mich und empfinde viel Glück und Freude über diese Errungenschaft.
Oft habe ich den Wunsch, den Menschen zu zurufen: Tu es selbst!! Verschwinde nicht in dieser Spirale des Krankseins und Verantwortung abgegeben. Du hast die Kraft. (Seufzt) Keine Ahnung, wie man das hinbekommt, dass so eine Einsicht kommt. Ich wollte genauso von niemandem reingeredet haben. Keine Ratschläge bekommen, die sich ja bekanntlich oft wie Schläge anfühlen können.
Katja:
Vielen lieben Dank Frau S. für dieses offene Interview.
Frau S.:
Bitte sehr gern geschehen. Es war schön, einmal über meinen persönlichen Erfolg sprechen zu können. Es ist ja nicht so, dass ich bei einem sportlichen Wettkampf gewonnen hätte, wo man gefeiert wird, sondern meinen ganz privaten Herausforderern begegnet bin.

Hilfreich:

Mir ist zu diesem Interview das Buch von Dr. med. Christan Peter Dogs und Nina Poelchau eingefallen, welches ich sehr empfehlen kann.

Der Titel:
Gefühle sind keine Krankheit – aus welchem Grund wir sie brauchen und wie sie uns zufrieden machen.
Ein passendes Zitat aus diesem Buch:

Dr. Dogs: Als Klinikchef habe ich eine Menge Patienten gesehen, die sich von einem Krankenhaus zum nächsten, von Therapeut zu Therapeut hangelten – und einfach nicht mehr auf die Beine kamen. Mit einigen konnte ich herausarbeiten, dass sie gar nicht so furchtbar krank waren, sondern in einer unerträglichen Situation steckten, die sie ändern mussten. Da hilft es natürlich nicht, wenn man Medikamente schluckt und in Therapiesitzungen über die Erfahrungen spekuliert, die man als Baby gemacht hat.

Ich habe eine Postkarte mit einer Karikatur an der Wand in meiner Praxis hängen: Man sieht darauf einen Patienten, der auf einer Couch liegt, dahinter steht der Therapeut und sagt: „Sie haben keine Depression. Sie haben ein beschissenes Leben. „Hart, aber oft wahr.“

Resilienz

Frau S. zeigt die Fähigkeit zur Resilienz.

Unter Resilienz wird die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und soziale vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen.

Definition 2005 von Psychotherapeuten einer internationalen Konferenz in Zürich.

 

Gesprächsbedarf?

Eine mutige Auseinandersetzung mit den Stressoren und Krisen ist wichtig. Der Blick in den Abgrund. Diese Faktoren gehören zu jedem Lebenslauf! Die Beschäftigung mit diesen Themen fördert deine Resilienz.

Vielleicht würde ein Gespräch ein Stück weiter helfen auf der Suche nach dem Grund deiner Empfindungen. Steckst du fest, hast das Gefühl, auf der Stelle zu treten und die Gedanken drehen sich im Kreis. Melde dich für ein kostenloses Erstgespräch bei mir. Wenn du dich auf der Fährte der Erkenntnis, dass es die Umstände sein können, die dich in eine missliche Lage bringen und nicht eine Krankheit. Ich bin kein Arzt oder Psychologe, sondern Coach. Das muss ich hier erwähnen.

Ich darf Hilfe zur Selbsthilfe geben, jedoch keine kranken Menschen behandeln.

Ich freue mich auf dich, schreib eine Mail oder ruf an 07635 319 46 24!

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