Lange wurde ich von Unsicherheit begleitet, wie ich sie los wurde!
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Unsicherheit hat mich lange begleitet.
Ich fand damals, als eine Reporterin des WDR bei mir war, weil sie eine Reportage über fundamentalistische Freikirchen drehte, den gewählten Titel sehr treffend:
Um Gottes Wille – christliche Parallelwelten.
Ja, ich lebte lange in einer Parallelwelt. Genauer gesagt, waren es zwanzig Jahre. Zwanzig Jahre, die mich geprägt hatten durch den fast ausschließlichen Umgang mit den Menschen, die auch solch einer Gruppierung angehörten. Die sich ebenfalls fast nur mit christlichen Inhalten und dem gottesfürchtigen Leben beschäftigten.
Die gefühlt Tag und Nacht beteten und danach fragten, wie würde Jesus wohl handeln. Ich habe an anderer Stelle schon geschrieben, dass es mich heute selbst wundert, nein ehrlicher gesagt, ich schrieb, dass es mir immer noch peinlich ist, dass ich so lange mit dieser Ideologie lebte. (Ergänzung 23.09.2019: Inzwischen habe ich meine Geschichte in mein Leben integriert und das Gefühl der Peinlichkeit hat sich verflüchtigt. Es durfte dem Stolz darauf, dass ich Schwieriges bewältigt habe, platz machen. Das Vergangene habe ich inzwischen verstanden und akzeptiert. Nun ist das Jetzt und die Zukunft an der Reihe gelebt zu werden.)
Geprägt von vielen Predigten und Veranstaltungen.
Ich war also sehr beeinflusst, obwohl ich immer der Meinung war, kritisch geblieben zu sein. Jedoch alleine der ständige Umgang mit den Glaubensinhalten und den Menschen sowie die vielen Veranstaltungen, Seminare und Workshops, die es auch in der christlichen Welt gibt, indoktrinierten mich stark.
Nachdem ich so abrupt aus diesem Umfeld ausgestiegen war und mich in der „neuen Welt“ orientierten musste, stellte sich sehr schnell eine starke Unsicherheit ein. Ich bemerkte bald, dass ich einfach anders war. Immer wieder erntete ich irritierte und ungläubige Blicke. Dies irritierte mich ebenso. Denn wusste ich oft nicht, was gerade so anders an mir war.
Im Nachhinein gesehen war es wohl gar nicht so, wie ich es empfand.
So im Nachhinein betrachtet bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich wirklich weltfremd gewirkt habe, wie ich mich fühlte. Ob die irritierten und ungläubigen Blicke von mir selbst nicht einfach nur entsprechend gedeutet wurden.
Doch war es jedenfalls so, dass ich stark verunsichert war. Das Denken in der Freikirche lehnt vieles, was für die meisten Menschen als normal gilt, ab. Betrachtet es als verwerflich. Es gibt unendliche viele Maßnahmen, um einen besseren Menschen aus dem „Gemeindekind“ zu machen.
Nach jedem starken Einschnitt kann man mit Unsicherheit reagieren.
Das, was ich empfunden habe, nach meiner krassen Lebenswende, kann jeder Mensch, der lange in bestimmten Umständen und Umfeld gelebt hat, auch empfinden. Das habe ich in vielen Gesprächen, die ich mit den unterschiedlichsten Menschen führte, herausgefunden. Es muss nicht so ausgeprägt gewesen sein wie bei mir, trotzdem ist jeder Start in einen Neuanfang mit Unsicherheit verbunden und das ist ja auch ganz normal.
Vielleicht macht meine Situation einen Unterschied zu manch einer anderen, weil die Unsicherheit sehr lange angehalten hat. Obwohl ich mich nicht zu Hause vergraben habe und meist die Flucht nach vorne machte.
Ich lernte mit der Zeit besser damit zu leben, ohne den Wunsch aufzugeben, dass sie sich mal weitgehend verflüchtigen würde, was mich so belastete, meine ständige Begleiterin die Unsicherheit.
Dadurch, dass ich immer mal wieder fragte, wie man mich wahrnahm, konnte ich feststellen, dass das starke Gefühl, welches regelrecht in mir wütete, gar nicht so nach außen drang. Das brachte schon einen kleinen Teil Sicherheit zurück.
Ich schreibe dies hier nicht, um endlich mal loszuwerden, wie es mir erging, sondern um dir Mut zu machen. Du kannst Herr über deine Gefühle werden, indem du dich ihnen stellst und so blöd und abgedroschen es klingt, durch die Gefühle hindurch gehst. Dein Erleben wird sich immer besser und selbstverständlicher anfühlen. Wichtig ist jedoch, dass du deinem Gehirn die Möglichkeit gibst, sich an die Dinge und Gegebenheiten, die dir Angst machen zu gewöhnen und das dauert eben manchmal etwas länger. Wir hätten die Unsicherheit zwar gerne sofort verbannt, doch da macht uns unsere Konditionierung einen Strich durch die Rechnung.
Was soll aber Schlimmes passieren? Das du was Dummes von dir gibst? Das tun viele Menschen und sind überzeugt von ihrer Äußerung.
Noch ein Nährboden für Unsicherheit!
Bei mir gab es noch einen Nährboden für ausgeprägte Unsicherheit.
Die Erschöpfung!
Ich war körperlich sehr ausgelaugt. Das kam durch Jahrzehnte lange Schlafstörungen und eine chronische Krankheit sowie einem Schlaganfall. Dieser brachte heftige Panikattacken mit sich, die sich über mehr als drei Jahre hinzogen. Es war mir einfach nicht mehr möglich, Situationen und meine Mitmenschen richtig einzuschätzen.
Irgendwann begriff ich, dass es für mich sehr hilfreich war, einfach zu beobachten. Nun musste ich nicht mehr zu allem und Jedem etwas sagen. So konnte ich zuschauen und in meinem Tempo lernen, mich in Situationen einzufühlen.
Wichtig ist, dass du nie aufhörst, dich dem Leben zu stellen, zu schauen und zu spüren.
Du kannst es dir leichter machen.
Akzeptiere die Gefühle, die durch Unsicherheit entstehen. Um so schneller werden sie verschwinden.
Irgendwann, auch wenn es manchmal nicht so scheint, ist es vorbei.
Diese Erkenntnis wird dir schon helfen.
Wenn du dich wehrst und unter Druck setzt oder den Dingen aus dem Weg gehst, wird es nur noch schlimmer …
Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg aus der Unsicherheit.
Alles Liebe
Wenn du magst hinterlasse mir bitte einen Kommentar, das wäre für mich eine große Freude.
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